Jeder Körper hat Rundungen – vorne, hinten und an den Seiten. Und jeder Körper hat Eigenheiten, die ihn einzigartig machen. Genauso, wie dir Kleidung von der Stange nicht überall gut passen wird, verhält es sich auch mit fertigen Schnittmustern. Schließlich kann ein Bekleidungs- oder Schnittmusterhersteller nicht auf deine individuellen Maße eingehen, sondern verwendet einfachheitshalber Standard- und Durchschnittsmaße. Diese Musterfigur gibt es im Normalfall also gar nicht. Deshalb suche bei schlechtsitzender Kleidung bloß nicht den Fehler an deinem Körper! Ändere statt deinem Körper doch einfach das Schnittmuster.

Wenn du Kleidung selber nähst hast du den großen Vorteil, dass du sie perfekt auf deinen Körper zuschneiden kannst. Bei fertigen Schnittmustern wirst du jedoch deutlich mehr Probleme haben, sie auf deinen Körper und seine Eigenheiten anzupassen. Denn fertige Schnittmuster enthalten schon viele Designelemente, die alle angepasst werden müssen und unterscheiden sich in der Weite und was die Bewegungszugaben betrifft. Einfacher ist es einen Grundschnitt auf deine Maße anzupassen oder gleich nach den eigenen Maßen zu erstellen bzw. erstellen zu lassen und ihn dann an deine Wünsche anzupassen.

Was ist ein Grundschnitt?

Ein Grundschnitt ist im Prinzip die Basis eines Schnittmusters. Grundschnitte enthalten keine Designelemente und sind daher zeitlos. Sie enthalten nur die Elemente, die benötigt werden, um einen zweidimensionalen Schnitt an deinen dreidimensionalen Körper anpassen zu können, wie z.B. Abnäher. Grundschnitte sind sehr figurbetont geschnitten und enthalten nur wenige Zugaben für die Bewegungsfreiheit, damit man die Passform möglichst gut erkennen kann. Außerdem werden sie für Webstoffe ohne Stretch konstruiert. Es ist also durchaus sinnvoll einen modifizierten Grundschnitt für dehnbare Materialien, wie Strick oder Jersey, zu erstellen. Denn Schnitte für dehnbare Stoffe enthalten in der Regel nur sehr kleine oder sogar negative Zugaben.

Ein Grundschnitt ist jedoch kein Wundermittel. Selbst, wenn du dir einen Grundschnitt nach deinen Maßen erstellt hast, wirst du Änderungen vornehmen müssen, da einige Annahmen auf Durchschnittswerten basieren. Der gleiche Hüftumfang kann z.B. ganz unterschiedlich verteilt sein. Beim Grundschnitt geht man von einer gleichmäßigen Verteilung an Hüfte und Hintern aus. Es ist aber durchaus möglich, dass die Hüften breiter und der Hintern etwas flacher ist oder die Hüften schmaler und der Hintern etwas ausgeprägter ist. Deshalb gibt es am 14.01. hier eine Anleitung, wie ihr die üblichsten Anpassungen an einem Rockgrundschnitt selber vornehmen könnt. Hast du deinen Grundschnitt an deine Maße angepasst, nähst du am besten erst einmal ein Probeteil aus Nessel oder einem anderen nicht dehnbaren Stoff.  Mit diesem Prototyp kannst du überprüfen, ob die Abnäher an der richtigen Stelle sind, die Weite ausreichend ist etc. Wenn du an deinem Prototypen Änderungen vornehmen musst, dann überträgst du sie auf deinen Grundschnitt. Am besten hebst du die Prototypen mit dem perfektionierten Grundschnitt auf. So kannst du schnell überprüfen, ob deine aktuellen Maße noch deinem Grundschnitt entsprechen oder du eventuell Änderungen vornehmen solltest.

Auch ein perfekt angepasster Grundschnitt ist jedoch keine 100%ige Garantie, dass dir alle Kleidungsstücke, die du danach nähst, auch perfekt passen. Denn jeder Stoff unterscheidet sich in punkto Dehnbarkeit und Fall und es kann daher vorkommen, dass du an deinem Kleidungsstück kleine Korrekturen vornehmen musst. Gebe also immer genug Nahtzugabe hinzu, um gegebenenfalls Änderungen vornehmen zu können. Dennoch wird diese Anpassung sehr viel kleiner ausfallen, als es bei einem Standardschnittmuster der Fall ist.

Welche Grundschnitte braucht man?

Im Prinzip braucht man nur die drei folgenden Grundschnitte, um daraus alle Arten von Schnittmustern ableiten zu können:

  • Rockgrundschnitt – Ein Rockgrundschnitt ist ein einfacher gerader Rock, der mit jeweils ein bis zwei Abnähern vorne und hinten auf Figur gebracht wird. Der Rock sitzt in der Taille. Der Rockgrundschnitt enthält keine Taschen, Schlitze oder sonstigen Designelemente. Für den Einstieg ist es am einfachsten mit einem Rockgrundschnitt zu starten. So kannst du die Grundlagen der Schnittkonstruktion erlernen und schnell kreativ werden.

  • Hosengrundschnitt – Der Hosengrundschnitt ist eine gerade Hose, die oben eng anliegt und an den Beinen gerade ausläuft. Der Grundschnitt hat in der Taille jeweils ein bis zwei Abnäher vorne und hinten. Der Hosengrundschnitt sitzt in der Taille. Der Grundschnitt enthält keine Taschen, Passen oder sonstigen Designelemente.

  • Oberteilgrundschnitt – Der Oberteilgrundschnitt ist ein einfaches tailliertes Oberteil mit dazu passenden schmalen Ärmeln. Im Vorderteil befindet sich ein Brust- und Taillenabnäher und im Rückteil ein Schulter- und Taillenabnäher. In Verbindung mit dem Rockgrundschnitt, kann man mit Hilfe des Oberteilgrundschnitts Kleider konstruieren. Und der Hosengrundschnitt ergänzt den Oberteilgrundschnitt zum Overall.

Etwas leichter werden die Schnittmusterabwandlungen jedoch, wenn man je nach Bedarf, einen dieser Basisgrundschnitte oder einen bereits leicht modifizierten Grundschnitt, wie einen Blusen- oder Jackengrundschnitt, verwendet. Auch macht es durchaus Sinn zusätzliche Oberteil- oder Kleidergrundschnitte mit häufig verwendeten Nahtlinien, wie Prinzessnähte oder Wiener Nähte, zu konstruieren.

Habt ihr noch Fragen zu Grundschnitten? Dann schreibt sie bitte in die Kommentare.