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Eigentlich wissen wir ja alle, dass ein T-Shirt, das so viel kostet wie ein Coffee to go nicht unter fairen Bedingungen hergestellt werden. Gerade, wenn man selber näht, weiß man wie viele einzelne Schritte für die Produktion eines Kleidungsstücks benötigt werden. Trotzdem verdrängen wir unser schlechtes Gewissen immer wieder und greifen doch ab und an zu Fast Fashion Teilen. Die günstigen Preise verleiten schließlich zu Impulskäufen und man denkt nicht lange darüber nach, sondern greift einfach zu.

So ging es mir lange Zeit auch, doch die Pandemie hat nicht nur unser Leben durcheinandergebracht, sondern auch das kaputte System der Fast Fashion enthüllt, das auf Ausbeutung baut und von der ungleichen Machtverteilung zwischen großen Marken und Entwicklungsländern profitiert. Während wir uns mit dem Lockdown, Kurzarbeit, Jobverlust und Kinderbetreuung herumgeschlagen haben, mussten allein die Fabriken in Bangladesch, wohlgemerkt einem der ärmsten Länder der Welt, die Stornierung von laufenden Bestellungen im Wert von über $1,5 Milliarden verkraften. Da es in der Bekleidungsindustrie üblich ist die Lieferungen Wochen oder Monate nach Erhalt erst zu bezahlen, blieben die Fabriken auf Bergen von Materialien und fertiger Ware sitzen. Als Resultat haben Millionen von Arbeitern in der Bekleidungsindustrie ihre Arbeit verloren und können sich im Gegensatz zu uns nicht auf ein soziales oder finanzielles Netz verlassen, das sie auffängt.

Fast Fashion bezeichnet ein Geschäftsmodell des Textilhandels, bei dem die Kollektion laufend geändert und die Zeit von den neuesten Designs der Modeschöpfer zur Massenware in den Filialen stark verkürzt wird. Die stetige Veränderung des Sortiments und eine verkürzte Haltbarkeitsdauer der verwendeten Materialien soll die Kunden dazu bewegen, die Verkaufsflächen immer wieder aufzusuchen. (Wikipedia)

Hier sind noch mehr Gründe, warum wir alle auf Fast Fashion verzichten sollten:

  1. Umweltverschmutzung – Die Modeindustrie ist eine der schmutzigsten Industrien weltweit. Allein in der Textilveredelung werden 20-25% aller produzierten Chemikalien verwendet. Textilfärbung ist der zweitgrößte Wasserverschmutzer weltweit und an der Farbe der Flüsse lassen sich die Farben der Saison erkennen. Sie produziert außerdem 10% der globalen CO2 Ausstöße – mehr als alle Flug- und Seefahrt zusammen. Die Modeindustrie produziert besonders viele Treibhausgase, auf Grund des hohen Energieverbrauchs während Produktion und Transport. Vor allem die Produktion von synthetischen Fasern ist sehr energieintensiv. Darüber hinaus wird der Großteil unserer Kleidung in China, Indien und Bangladesch hergestellt, wo die Hauptenergiequelle Kohle ist, die wohl dreckigste Art der Energie in Bezug auf CO2 Ausstoß. Nicht zu vergessen, die Massen an Wasser, die allein beim Anbau verbraucht werden. So werden über 2.000 Liter Wasser gebraucht, um ein einziges T-Shirt herzustellen, das dann vielleicht nach kurzer Tragedauer schon im Müll landet.
  2. Arbeitsbedingungen – Es ist nur allzu bekannt, dass der Großteil der Kleidung in Ländern hergestellt wird, in denen die Rechte von Arbeitern stark eingeschränkt werden oder nicht existent sind. Zusätzlich hält die Modeindustrie immer Ausschau nach neuen Produktionsländern, in denen die Arbeit noch günstiger zu haben ist. Die gezahlten Löhne bei möglichst vielen Überstunden sind dabei so niedrig, dass selbst das EU-Parlament in diesem Zusammenhang von „Sklavenarbeit“ spricht. Darüber hinaus sind die Arbeitsbedingungen alles andere als sicher, wie das Unglück von Rana Plaza gezeigt hat. Nicht zu vergessen, Kinderarbeit und Zwangsarbeit, die sowohl im Anbau als auch in der Produktion vorhanden sind. Vor allem in der Baumwollproduktion kann man fast nicht ausschließen, dass diese ohne Kinder- und Zwangsarbeit produziert wurde, schließlich ist es in Usbekistan üblich, dass die Schulen zur Erntezeit schließen und die Schüler auf den Feldern arbeiten müssen. Und erst vor kurzem sorgten die Enthüllungen rund um die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China für Wirbel, da dies bedeutet, dass der Großteil der chinesischen Baumwolle (zweitgrößter Produzent weltweit) mit Hilfe von Zwangsarbeit produziert wird.
  3. Müll – Durch den starken Preisverfall der letzten Jahre, hat Kleidung seinen Wert für uns verloren und ist zur Wegwerfware mutiert. Früher war es ganz normal, dass man mehrere Monate auf ein Kleidungsstück gespart hat. Heute kann man sich mehrere neue Kleidungsstücke im Monat leisten. In der Realität ist diese kontinuierliche Anhäufung billiger Kleidungsstücke nur aufgrund einer ständigen Reduzierung der Produktionskosten möglich. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Qualität und so halten Kleidungsstücke längst nicht mehr so lange, wie früher. Zusätzlich heizen immer neue Trends diesen Teufelskreislauf weiter an. Das führt dazu, dass fast 3/5 aller Kleidungsstücke heute innerhalb des ersten Jahres nach Produktion entsorgt wird auf Müllhalden oder in Verbrennungsanlagen. Das ist jede Sekunde ein kompletter Müllwagen voller Textilien! Jedes Jahr schmeißt jede Familie in der westlichen Welt 30 kg Kleidung weg. Nur 15% davon werden recycelt oder gespendet. Obendrauf kommen noch die Tonnen an unverkaufter Ware, die die Hersteller selber lieber vernichten, statt zu spenden.
  4. Trends & Overconsumption – Das Geschäftsmodell der Modeindustrie basiert darauf, dass Umsätze durch den stetig steigenden Verkauf an Kleidungsstücken generiert werden. Bei einem vollständig gesättigten Markt (denn mal ehrlich, wer „braucht“ heute noch neue Kleidung) ist das aber zunehmend nur noch mit immer günstigeren Preisen möglich. Preise, die so niedrig sind, dass wir nicht darüber nachdenken, schließlich geben wir für unseren täglichen Kaffee schon mehr aus. Während der letzten 15 Jahre hat die Modeindustrie ihre Produktion verdoppelt und gleichzeitig sank die Nutzungsdauer um 40%. Die ständig wechselnden Modetrends verführen uns zusätzlich mehr Geld auszugeben als nötig. Schließlich reden sie uns ein, dass unsere Kleidung veraltet ist, obwohl sie noch tragbar ist und wir nur dazugehören, wenn wir uns das neueste Teil „gönnen“. Das führt jedoch auch dazu, dass wir ständig mit uns selbst unzufrieden sind und versuchen mit neuen Teilen diese Unzufriedenheit zu übertünchen. Das funktioniert aber nur kurzfristig, bis zum nächsten Trend
  5. Rassismus – Abgesehen von den rassistischen Äußerungen namhafter Designer wie John Galliano und Dolce & Gabbana, von den unterrepräsentierten Models anderer Hautfarbe und von der kulturellen Aneignung, ausgebeutet werden vor allem farbige Frauen in den Produktionsländern. Denn wenn wir ehrlich sind, braucht es schon ein hohes Maß an Rassismus, um Menschen in den Produktionsländern dermaßen inhuman behandeln zu können. Da können auch die schnell und billig produzierten „Black Lives Matter“ T-Shirts nicht drüber hinwegtäuschen.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich kann und will nicht länger die Augen vor diesem ausbeuterischen System verschließen. Deshalb habe ich bereits Mitte des letzten Jahres beschlossen, dass ich keine neue Kleidung und auch keine neuen Stoffe mehr kaufen werde. Schließlich wissen wir bei Stoffen noch weniger über die Herkunft. Es erfordert zwar etwas mehr Kreativität, aber es ist eigentlich gar nicht so schwierig alles Second Hand zu finden. Und wie steht ihr zu diesem Thema?

Bücher zu diesem Thema:

Quellen: Fashion Revolution, New York Times, UN Environment, Sustain Your Style, World Economic Forum, The Cut, Europa.blog, Süddeutsche

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